22. Februar 2011, 16:54 von Alanus



Am 24. Februar 2011 startet in Köln der Rudolf-Steiner-Express, ein Kultur-Sonderzug, der im 150. Geburtsjahr des österreichischen Philosophen und Begründers der Anthroposophie die wichtigsten Stationen seines Lebens und Wirken ansteuert. Die Zugtaufe übernimmt Marcelo da Veiga, Rektor der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. An verschiedenen Orten am Kölner Hauptbahnhof zeigen Studenten der Alanus Hochschule Performances, die mitten im Reisetrubel zum Hingucken, Hinhören und Wahrnehmen verführen sollen. Mit dabei ist unter anderem der weltberühmte Pantomime Milan Sladek. Auf dem Bahnhofsvorplatz wird außerdem der erste Eurythmie-Flashmob der Welt stattfinden. Eine noch unbestimmte Zahl von Teilnehmern, die über online-Netzwerke von der Aktion erfahren, führt eine spontane, kollektive Eurythmie-Darbietung auf.
„Das Mysterium findet im Hauptbahnhof statt, nicht im Goetheanum“, sagte Joseph Beuys, der Rudolf Steiners Gedankengut als zentrale Inspiration für sein Schaffen benannte, 1984 in einem Spiegel-Interview. Auf dieses Zitat beziehen sich die Künstler der Alanus Hochschule mit ihren Aktionen und spielen dabei vor allem mit dem Thema Wahrnehmung. „Der Bahnhof ist voll von Geschichten. Ein buntes Kaleidoskop, grob umrissen zwischen Abschied und Wiedersehen, Alltag und Einmaligkeit. Die Menschen kommen sich räumlich nah, doch haben die Wenigsten miteinander zu tun. Wir fragen danach, ob sie sich gegenseitig eigentlich wahrnehmen“, erläutert René Harder, Professor für Schauspiel, die Grundidee der Performances.
Eine Slow-Motion-Aktion thematisiert Bewegung als Eigenwert, nicht als Mittel zum Zweck. Darsteller, die sich zu immer größeren Gruppen zusammenfinden, schreiten in Zeitlupe zwischen den wartenden oder zum Zug eilenden Menschen Richtung Gleis 1. Sie fordern damit die Reaktionen und die Wahrnehmung der Passanten und Pendler heraus. Werden die Reisenden anfangen, ihre Umgebung nicht als Zufall und Chaos, sondern als Aufführung, das heißt als Sammlung sinnhafter Zeichen zu verstehen und in den Bann der Schreitenden geraten?
Bewegung versus Stillstand ist auch das Thema einer weiteren Gruppe von Schauspielstudenten, die sich unter Leitung des Schauspielers und Performancekünstlers Martin mit dem modernen Phänomen des ‚rasenden Stillstands‘ auseinander setzen. Der international renommierte Pantomime Milan Sladek, der Dozent an der Alanus Hochschule ist, nimmt schließlich mit einer Gruppe von Studenten stereotype Verhaltensformen von Reisenden und Wartenden unter die Lupe, um zum feierlichen Akt der Zugtaufe durch Rektor Marcelo da Veiga überzuleiten. Im Zug selbst greift eine szenische Lesung leicht ironisch Rudolf-Steiner und seine Thesen auf. Dabei werden in gängige Vorurteile, polemische Behauptungen und wilde Gerüchte zur Anthroposophie ebenso zu Wort kommen, wie Steiner selbst – in Zitaten.